Diagnose

Blutuntersuchung

In allen Fällen wird der Arzt eine gründliche körperliche Untersuchung vornehmen. Eine Blutuntersuchung kann ihm Hinweise geben auf bestehende Entzündungserscheinungen im Körper (erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen, erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit), auf Blutverluste (zuwenig rote Blutkörperchen) oder auf Mangelerscheinungen, z.B. Eiweiß.   

Abtasten des Bauches

Beim Abtasten des Bauches kann der Arzt oft schon entscheidende Befunde feststellen.   

Endoskopie

Bei der Endoskopie kann durch Einführen eines dünnen schlauchartigen Instrumentes in die zu untersuchenden Darmabschnitte die Darmwand direkt beobachtet und Entzündungserscheinungen erkannt werden. Außerdem ist es möglich, mit diesem Instrument kleinere Gewebeproben zur mikroskopischen Beurteilung aus der Darmwand zu entnehmen (Biopsie). Bei der Gastroskopie (Magenspiegelung) wird das Instrument durch den Mund eingeführt. Auf diese Weise kann der Arzt die Speiseröhre, den Magen und den Zwölffingerdarm untersuchen.   

Koloskopie

Die Koloskopie (Dickdarmspiegelung) ermöglicht die eingehende Untersuchung der unteren Darmabschnitte. Dazu wird das Endoskop durch den After eingeführt und durch den Mastdarm und den gesamten Dickdarm bis zum Übergang in den Dünndarm vorgeschoben. Die Rektoskopie (Rektumsspiegelung) bezieht sich lediglich auf die letzten 15-20 cm des Enddarms, den sog. Mastdarm bzw. das Rektum. 

Röntgenaufnahme des Darms

Durch Röntegenaufnahmen können mit Hilfe von Kontrastmitteln krankhafte Veränderungen wie Ausbuchtungen der Darmwand, Fistelgänge und gestörte Darmbewegungen sichtbar gemacht werden. Die Röntgenuntersuchung ist die beste Methode, den Dünndarm zu beurteilen.   

Ultraschalluntersuchung

Die Ultraschalluntersuchung ist die am wenigsten belastende Untersuchungsmethode, doch ist sie allein oft nicht ausreichend. Die Endoskopie und die Röntgenuntersuchung sind daher zumindest bei erstmaligem Verdacht auf eine entzündliche Darmerkrankung in der Regel notwenig.   

Ein plötzlicher Schub bei CED kann Darminfektion sein

Die häufigste Ursache von plötzlich einsetzenden heftigen Durchfallerkrankungen sind Infektionen des Verdauungstrakts. Deshalb raten Fachleute auf dem Gebiet der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie Professor Dr. Jörg Emmrich (Rostock) und Professor Dr. Andreas Stallmach (Essen) nicht nur bei der Erstdiagnose, sondern auch bei unvermittelt beginnenden starken Schüben während der Ruhephase des Morbus Crohn oder der Colitis ulcerosa zur Durchführung einer mikrobiologischen Diagnostik. Unterstützt werden diese Empfehlungen durch eine kürzlich veröffentlichte Studie, nach der bei immerhin in 10,5 Prozent der Schübe von CED-Patienten durch die Untersuchung von Stuhlproben Darminfektionen nachgewiesen werden konnten. Alle diese Schübe konnten anschließend erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden. Am häufigsten werden dabei Ciprofloxacin und Metronidazol eingesetzt.

In den Stuhlproben sollte vorrangig nach Yersinien, Campylobacter, pathogenen Escherichia coli, Salmonellen, Shigellen, Clostridium-difficile-Toxin, Aeromonaden und Parasiten gesucht werden, empfiehlt Prof. Emmrich. Bei Patienten mit stark immunsuppressiver Therapie müsste auch mit Hilfe von histophathologischen Untersuchungen von Gewebeproben oder den Antigennachweis im Blut (z.B. den CMV-pp65 Test) auf Viren als mögliche Erreger untersucht werden. Entsprechende Empfehlungen werden auch in den Leitlinien für die Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa (Kapitel I, 4: Mikrobiologische Untersuchungen) und des Morbus Crohn ( u.a. im Abschnitt "Akuter Schub") ausgesprochen. Die Autoren der in London (Großbritannien) durchgeführten Studie unter der Leitung von Prof. S. Rampton, Royal London Hospital, berichten über 213 Patienten mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung, die zwischen 1997 und 2001 zur stationären Aufnahme kamen mit 237 Schüben (Rezidiven) der Grundkrankheit. Bei 25 (10,5 Prozent) Rezidiven lag eine Infektionskrankheit zugrunde, bei sieben Patienten ging die Erstdiagnose einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung mit einer Superinfektion einher.

Clostridium-difficile-Toxin wurde bei 13 Patienten (5,5 Prozent) gefunden, bei weiteren 12 Patienten (5 Prozent der Rezidive) spielten Campylobacter-Spezies (5), Entamoeba histolytica (3), Salmonella-Spezies (1), Plesiomonas shigelloides (1), Strongyloides stercoralis (1) und Blastocystis hominis (1) eine Rolle. Alle Rezidive ließen sich mit Antibiotika beziehungsweise Antibiotika in Kombination mit Corticosteroiden behandeln. Die Autoren empfehlen, bei allen Patienten mit einem Rezidiv einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung mikrobiologische Stuhluntersuchungen vorzunehmen.