Zahngesundheit

Allgemein

Mit dem ersten Atemzug des Neugeborenen beginnt die Besiedlung der Mundhöhle mit Keimen. 200 bis 300 Bakte­rienarten suchen sich bis zum Ende des dritten Lebensjahres "Wohnplätze" im Ökosystem Mundhöhle. Leider ist unter den Bakterienarten fast immer der Hauptverursacher der Karies. Er wurde meist von der Mutter in den Mund des Neugeborenen übertragen.
Wenn es gelingt, die Übertragung bis zu diesem Zeitpunkt zu vermeiden, findet der Karieskeim im Milchgebiss keine optimale Unterkunft mehr. Möchte die junge Mutter jedoch nicht darauf verzichten, ihr Kind innig zu küssen, den Löffel beim Füttern abzulecken o.a., kann ihr der Zahnarzt an Hand eines Tests sagen, wie hoch die Gefährdung ist und gegebenenfalls einen Behand­lungsvorschlag unterbreiten. Die Milchzähne sind bei der Geburt eines Kindes fast fertig.

Sie begin­nen etwa ab dem 4. Lebensmonat in die Mundhöhle durchzubrechen. In der Regel sind alle 20 Milchzähne da, wenn das Kind 3 Jahre alt ist. Der Durchbruch der Milchzähne ist ein natürlicher Vorgang und geht nicht mit Krankheitszeichen einher. Fieber, Erbre­chen, Durchfall und Unruhe können Begleiterscheinungen sein, die andere Ursachen haben. Verfrühter oder verspäteter Zahndurchbruch sind zunächst kein Grund zur Beunruhigung. Bestehen trotzdem Bedenken, ist es angebracht, den Kinderarzt oder den Zahnarzt um Rat zu fragen. Lutschen Kinder auch noch nach dem 3. Lebensjahr am Daumen, können Fehlbildungen entstehen, die nur sehr aufwendig und lang­wierig zu regulieren sind. Sie wirken sich negativ auf die Aussprache aus und machen ein Abbeißen unmöglich.
Um das 6. Lebensjahr beginnt der Zahnwechsel. Sichtbar wechseln die Schneidezähne. Dagegen kommen die ersten bleibenden Backenzähne oft unbemerkt, weil sie im Anschluss an die Milchzahnreihen erscheinen, ohne dass ein Milchzahn ausfällt. Bis sie richtig mitkauen können, bilden sie für den Zahnbelag ein ?Versteck", das schwierig zu reinigen ist.

Die Milchzähne machen den blei­benden Zähnen nach und nach ihren Platz frei. Ihre Wurzeln werden von den bleibenden Zähnen regelrecht ?verdaut". Außerdem verlängert sich die Zahnreihe: Im 6. Lebensjahr brechen die ersten bleibenden Backen­zähne in die Mundhöhle durch, etwa im 12. Lebensjahr die zweiten bleibenden Backenzähne. Ungefähr 3 Jahre später ist der Zahnschmelz des durch­gebrochenen Zahnes ausgereift und widerstandsfähig. 

Warum sollen die Zähne geputzt werden? Zähne putzen heißt nicht nur Speisereste entfernen!

Der Zahnbelag (PIaque) besteht in der Hauptsache aus fest haftenden Bakterien und deren gefährlichen Stoffwechsel­produkten. Diese stellen die Bakterien vorrangig aus zucker­haltigen Lebensmitteln und Getränken her. Die "Verschmut­zungsgefahr" lauert vor allem in den Furchen der Kauflächen, am Übergang zum Zahnfleisch und zwischen den Zähnen. 

Zähne putzen heißt Zahnbelag entfernen!

Zahnbelag muss entfernt werden, bevor er für den Zahnschmelz und das Zahnfleisch zur Gefahr wird: eigentlich nach jeder Nahrungs­aufnahme, aber mindestens zweimal täglich. Manchmal finden sich an den Milchzähnen, besonders über dem Zahnfleischrand, schwarz-bräunliche Girlanden. Sie sind unschön, aber meist harmlos und können in der zahnärzt­lichen Praxis entfernt werden.   

Wann soll mit dem Zähneputzen begonnen werden?

Durch die gesüßte, breiige Kindernahrung lagern sich weiche Beläge an den Zähnen ab, die nicht vom Speichel abgespült werden. Deshalb sollte die regelmäßige Zahnreini­gung bereits mit dem Durchbruch des ersten Milchzahnes, also im Alter von 6-9 Monaten, beginnen. Mit dem eigentlichen Zähneputzen, das zur Selbstständigkeit führt, sollte angefangen werden, wenn die ersten Milch­backenzähne durchgebrochen sind. Die Eltern müssen das Zähneputzen bei ihren Kindern mindestens bis zum Schulalter überwachen und die Zähne des Kindes nachputzen.   

Womit sollen die Zähne geputzt werden?

Das wichtigste Hilfsmittel ist eine Lern-Zahnbürste. Damit das Kind die Zahnbürste richtig handhaben lernt, braucht diese einen rutschfesten Griff, den die Kinderhand mit dem Faustgriff fest umfassen kann, und einen kurzen, abgerundeten Bürstenkopf mit weichen, endgerundeten Kunststoffborsten, die das Zahnfleisch nicht verletzen. Ein langer Griff ermöglicht, dass die Eltern die Hand des Kin­des führen und so gleichzeitig unterstützend mitputzen können. Farbige Zahnbürsten sprechen Kin­der besonders an und motivieren zum Gebrauch.   Elektrische Zahnbürsten sind ein besonderer Anreiz für "Unwillige". Besonders hilfreich sind sie für alle, die eine einfache Zahnbürste nicht handhaben können. 

Wie sollen die Zähne geputzt werden?

Nach der KAI Methode: Nachdem das Kind mit der Zahn­bürste vertraut ist, lernt es, vor einem Spiegel den Mund zu öffnen. Es muss die Zähne sehen können, die es putzen will. Erwachsene können beim Zähneputzen helfen. Sie stellen sich am besten hinter das Kind und führen die Zahnbürste, indem sie über die Kinderfaust greifen. Hierfür ist die Lern-Zahnbürste, wie umfangreiche Tests an der ETH Zürich gezeigt haben, ideal geeignet. Entsprechend den entwicklungsbedingten Fähigkeiten ergibt sich eine altersgemäße Vorgehensweise. Weil auf den Kauflächen, in den Grübchen der Zähne, zuerst Karies entstehen kann, ist es zweckmäßig, auch dort mit dem Erlernen des Putzens anzufangen.  

Zuerst ...

Hin und her auf den K au­flächen. Immer am letzten Zahn anfangen. Die Zahnbürste raschelt! Erst rechts unten, dann rechts oben, dann links unten und dann links oben. Wenn die Kinder die Kauflächen richtig putzen können - meist ist das mit 4 1/2 Jahren der Fall -können sie auch die A ußenflächen der Zähne in das Putzprogramm einbeziehen. Es   werden mit   der Zahnbürste Kreise oder Bälle bei leicht geöffneten Zahnreihen auf die Außenflächen der Seitenzähne gemalt. Wieder von hinten nach vorn, erst rechts, dann links. Dann werden die Zähne wie beim Abbeißen geschlossen oder gefletscht (!), weil sich so auch auf die Schneidezähne leichter Kreise malen lassen. Ältere Vorschulkinder putzen auch schon die I nnenflächen der Zähne. Dabei wird die Zahnbürste vom Zahnfleisch in Richtung zum Zahn (von Rot nach Weiß) geführt. Erst rechts unten, dann rechts oben... Aus der Reihenfolge entsteht ein Putzschema. Alle Handlungen, die gründlich ausgeführt und "in Fleisch und Blut" übergehen sollen, müssen zweckmäßig nach einem Schema ablaufen. ?Was Hänschen nicht lernt,..." Kindergartenkinder hören das Zahnputzlied, wenn sie gemeinsam die Zähne putzen. Da macht es noch viel mehr Spaß. Und wenn die Schule anfängt, können sie ihre Zähne richtig, in der empfohlenen Reihenfolge, putzen. Neben dem Zähneputzen spielt auch die Ernährung für gesunde Zähne von Anfang an eine wichtige Rolle. Verhäng­nisvoll für die Zähne sind vor allem zuckerhaltige und saure Getränke und Speisen! Die Folgen für das Milchgebiss können dramatisch sein. Die Beein­trächtigung beim Sprechen, beim Abbeißen und die mangelnde Ästhetik beeinflussen die gesamte Entwicklung des Kindes ungünstig. Baby- oder Kleinkinderkost muss nicht übermäßig gezuckert werden. Unter Umständen kann dadurch vermieden werden, dass die Kinder eine Sucht nach Süßem - wie auch die Sucht zum Trinken aus der Flasche - entwickeln.   

Achtung

Viele Lebensmittel, z.B. Bananen, Getränke mit Fruchtfleisch, Fruchtjoghurt, enthalten versteckte Zucker. Auch Hustensaft und Bienenhonig enthalten Zucker! Auf Süsses muss dennoch nicht gänzlich verzichtet werden, wenn den Zähnen eine ausreichende Erholungsphase zwi­schen den Zuckerattacken gegönnt wird und eine gründ­liche Zahnpflege gewährleistet ist.