Die Wahl des richtigen Geburtsortes

Wenn eine Schwangerschaft das ersehnte Wunschkind ankündigt, ist die Freude groß.

Je größer die Vorfreude jedoch wird, desto näher rückt auch die Geburt - wohl ein wahres Abenteuer.
Zur Geburtsvorbereitung gehört für jede Frau aber auch die Überlegung, wo sie das Kind zur Welt bringen möchte. Möchten Sie ihr Kind zu Hause, im Geburtshaus oder Kreißsaal zur Welt bringen?
Die Auswahl an Geburtsorten ist mittlerweile  groß. Daher lohnt es sich für jede werdende Mutter, vorab genaue Informationen über den einen oder anderen Ort einzuholen. Je mehr Schwangere darüber wissen, desto unbeschwerter und entspannter können sie sich auf das Abenteuer Geburt einstellen.

Hausgeburt

Hierzu gilt die Überlegung die Hebamme möglichst früh kennen zu lernen.
Jährlich kommen etwa 10.000 bis 12.500 Kinder außerhalb von Krankenhäusern auf die Welt. Oftmals entscheiden sich Schwangere bewusst für eine Hausgeburt, weil sie sich in der häuslichen Umgebung am wohlsten fühlen.

Ein Blick in die Vergangenheit verrät, dass im Mittelalter völlig normal war, dass Kinder zu Hause beboren wurden. Heute ist es eher die Ausnahme und wird nicht selten kritisch gesehen - von Ärzten und der Umgebung. Voraussetzung für eine Hausgeburt ist immer, dass vor, während und nach der Geburt keine Komplikationen auftreten. Dennoch kann keine Hebamme ausschließen, dass nicht doch etwas passiert. Unäbhängig davon welcher Geburtsort gewählt wird, in 4,3 von 1.000 Fällen kann es zu Komplikationen wie Hirnschäden, Knochenbrüchen oder Tod während oder nach der Geburt kommen.
Bewiesen ist wohl dagegen, dass Frauen, die außerhalb einer Klinik entbinden, weniger Schmerzmittel bekommen und seltener Riss- oder Schnittverletzungen des Damms davontragen.
Aber: 45 Prozent aller Erstgebärenden, die sich für eine Geburt außerhalb der Klinik entschieden, mussten während der Geburt in eine Klinik verlegt werden.
Auf solche Notfälle sollte sich vorab jede Schwangere mit Hausgeburt einstellen! Frauen, die eine Hausgeburt in den eigenen vier Wänden planen, sollten zwischen der zwölften und 20. Schwangerschaftswoche die Hebamme kennenlernen. Denn Nähe und Vertrauen spielen für eine intime Hausgeburt immer eine große Rolle. Obwohl mit einer Hausgeburt wenige - aber dennoch vertretbare - Risiken verbunden sind, entscheiden sich nur rund zwei Prozent der Schwangeren für eine Hausgeburt. Die Gründe, die dagegen sprechen, sind nicht von der Hand zu weisen. Treten Komplikationen schon während der Schwangerschaft auf, sollten Frauen eine Geburt unter ärztlicher Aufsicht im Krankenhaus favorisieren. Kommt eine Hausgeburt in Frage, müssen Hebamme und Frauenarzt frühzeitig informiert werden. Ratsam ist es ebenfalls, drei bis vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin Kontakt mit einem Kinderarzt aufzunehmen. Dieser sollte bereit sein, gleich nach der Entbindung zu Hause vorbeikommen, falls das Kind ärztlich versorgt werden muss. Sollte es bei der Geburt doch zu unvorhersehbaren Notfällen kommen, ist es wichtig, dass schwangere Frauen vorab eine Liste mit Notfall-Telefonnummern zusammenstellen. 

Rettungsdienst, die nächste Geburtsklinik, der Babynotarztwagen - alle Nummern sollten gut sichtbar in der Nähe des Telefons befestigt werden.  Dieser Bericht ist zu finden unter www.frauenzimmer.de

Entbindung im Krankenhaus

Diese Entbindungsform wird von 97 Prozent aller Frauen gewählt. Die Entbindung im Krankenhaus hat viele Vorteile, gerade weil das Krankenhaus bei Komplikationen schnell medizinische Hilfe vor Ort leisten kann. Gerade Risikopatientinnen, sollten auf jeden Fall im Krankenhaus entbinden.

Als Risikopatientinnen können gelten:

  • Werdende Mütter mit  Mehrlingsgeburten
  • Bei Erkrankungen der werdenden Mutter wie Diabetes, Bluthochdruck, ein Herzfehler etc.
  • Schwangere mit Frühgeburten vor der 33. Schwangerschaftswoche
  • Geburten bis zu der 37. Woche, wenn das Kind sehr klein ist
  • Übertragungen (zu späte Geburten)
  • Steißlagen oder Querlagen bzw. ungewöhnliche Lagen des Kindes
  • schlechte Versorgung des Kindes im Mutterbauch
  • bereits bei früheren Geburten aufgetretenen starke Nachblutungen
  • mehr als zwei Fehlgeburten nach der 12. Schwangerschaftswoche
  • Mütter, die mit über 40 Jahren entbinden

Ambulante Geburt

Bei einer ambulanten Entbindung können Sie bereits zwei bis sechs Stunden nach der komplikationslosen Entbindung nach Hause gehen. Das empfiehlt sich aber nur, wenn sichergestellt ist, dass Sie sich zu Hause in Ruhe erholen können und gut versorgt sind. Für die Wochenbettpflege ist es in der Regel so, dass Sie eine Hebamme besuch und ein Kinder- und Jugendarzt wird die zweite Vorsorgeuntersuchung Ihres Babys durchführen. Hier ist es ratsam, sich schon vor der Geburt einen Kinder- und Jugendarzt zu suchen.  

Geburtshäuser

Geburtshäuser sind privat geführte Institutionen unter der Leitung von Hebammen. Bei einem komplikationslosen Schwangerschaftsverlauf kann hier mit vielen alternativen Geburtstechniken entbunden werden. Für Frauen, die sich nur in einer Umgebung moderner Medizintechnik sicher fühlen, ist diese Art der Entbindung eher nicht zu empfehlen. Ebenso nicht, wenn ein erhöhtes Risiko unter der Geburt besteht und Komplikationen zu erwarten sind. Über die Erstattung der Kosten der vertraglichen Hebammenleistungen, sowie der Betriebskosten sollten Sie sich vorab mit Ihrer jeweiligen Krankenkasse abstimmen.

Wassergeburt

Bei einer Wassergeburt im engeren Sinne verbringt die Gebärende die ganze Zeit der Geburt von der sogenannten Eröffnungsphase bis hin zur Austreibungphase in der Geburtswanne. Das Baby kommt also unter Wasser zur Welt. Laut Studien finden 30 Prozent aller Schwangeren diese Idee reizvoll. Aber nur weniger als zehn Prozent aller Babys kommen schließlich wirklich im Rahmen einer "richtigen" Wassergeburt zur Welt. Viele Gebärende nutzen die Geburtswanne nicht für den kompletten Zeitraum der Geburt, sondern nur in einzelnen Phasen und verbringen die restliche Zeit "an Land". Im folgenden können Sie nachlesen, wie der Aufenthalt im Wasser sich auf die unterschiedlichen Phasen der Geburt auswirkt.

Das bedeutet die Wassergeburt in den drei Geburtsphasen?

  • Beginn der Eröffnungsphase

    Gerade in der Eröffnungsphase nutzen viele Gebärende die eigene Badewanne oder eine Geburtswanne in der Klinik oder im Geburtshaus zu einem "Testbad", um zu entscheiden, ob es nun wirklich losgeht oder ob es sich doch nur um Vorbereitungswehen handelt und die Geburt noch auf sich warten lässt.
  • Weiter in der Eröffnungsphase

    Verstärken sich die Wehen und damit die Kontraktion der Muskeln der Gebärmutter, so kann ein Bad deutlich beim Entspannen helfen. Denn das Baden kann gerade bei der dann einsetzenden Kontraktion der Ringmuskeln (verantwortlich für den Gebärmutterhals) helfen, diese wieder weicher zu machen. Sollte eine Gebärende in dieser Phase besonders starke Wehenschmerzen haben, so raten viele Gebärhelfer zu einem Verlassen der Wanne und einer Geburt in einer Umgebung, die von ihnen bei Komplikationen besser kontrolliert werden kann. Nach den Vorwehen erleben die meisten Gebärenden eine kurze Pause. Der Muttermund ist dann etwa fünf Zentimeter geöffnet und die Wirkung des Wassers kehrt sich nun um. Hat es vorher eher lindernd gewirkt, so verstärkt es jetzt eher die Wehentätigkeit. Gerade in dieser Phase muss das Baby mit seinem Köpfchen in den Beckeneingang. Oft helfen Gebärende ihrem Baby in dieser Phase durch Bewegung außerhalb der Geburtswanne, schneller den Weg in das Becken zu finden.
  • Übergangsphase

    In dieser Phase der Geburt werden die Wehen länger und die Intensität der Wehen steigt, denn jetzt kommt zum Schmerz der Muttermundöffnung auch der Druck des Babys auf das Steißbein hinzu. Jetzt kann die Gebärende durch ihre Haltung im Wasser Einfluss nehmen auf die Länge der Wehen. Das Wasser wirkt jetzt besonders schmerzlindernd, indem es den Beckenboden und den Geburtskanal elastischer macht. Gerade in dieser Phase verkürzt der Aufenthalt im Wasser die Geburt am deutlichsten.
  • Austreibungphase

    In der Austreibungsphase muss der Babykopf durch den Geburtskanal herausgeschoben werden. Auch in dieser Phase macht das Wasser den Beckenboden und den Geburtskanal elastischer und weicher. Die meisten Gebärenden im Wasser empfinden weniger Drang, mit ihrer Bauchmuskulatur zu pressen. Der geringere Pressdrang verringert das Risiko eines Dammrisses.
  • Das Baby ist da

    Ist das Köpfchen des Babys da, so besteht auch bei einer Wassergeburt kein Grund zur Eile, denn das Baby wird weiterhin von der Mutter über die Nabelschnur versorgt. Mit den nächsten Wehen wird auch der restliche Körper des Babys geboren. Auch dann entsteht noch kein Handlungszwang, denn die Sauerstoffversorgung über die Nabelschnur besteht weiter. Erst wenn das Baby keinen Kontakt mehr zum Wasser hat, macht es seine ersten Atemzüge. Bis das Atmen richtig klappt, ist das Baby über die Nabelschnur doppelt versorgt. Viele Gebärende behalten ihr Baby in der Wanne und lassen nur das Gesichtchen aus dem Wasser schauen. So kann das Baby auch dann noch die Wärme des Wassers genießen. Die frisch gebackene Mama legt das Baby bereits in der Wanne an die Brust. Auch die Nachgeburt kommt dann in der Wanne. Ist die Plazenta dann jedoch da, raten Gebärhelfer zum Ausstieg aus der Wanne, denn die dadurch entstehenden offenen Wundflächen könnten sich sonst leichter entzünden.

Vorteile einer Wassergeburt

  • Das warme Wasser entspannt die Gebärende und gibt ihr ein Gefühl der Geborgenheit. Die Schmerzen werden weniger stark wahrgenommen und das Atmen und Pressen ist im Wasser kraftsparender und einfacher.
  • Durch die stärkere Entspannung der Muskulatur und dem reduzierten Pressdrang ist die Wahrscheinlichkeit eines Dammrisses deutlich geringer.
  • Viele Gebärhelferinnen empfehlen die Geburtswanne, da sie die eigentliche Geburtsdauer verkürzen und das Bedürfnis nach Schmerzmitteln reduzieren kann.
  • Vor allem aber für das Baby bietet die Wassergeburt einige Vorteile. Denn das aus dem Mutterleib gewohnte warme Element verringert seinen Geburtsstress. Der Übergang vom warmen Fruchtwasser in die "kalte" Welt wird ihm so erleichtert. Da das Neugeborene zunächst durch die Nabelschnur versorgt wird, ist auch der Tauchgang bei der Geburt kein Grund für Zeitdruck oder setzt das Baby irgendeinem Risiko aus, denn auch im Fruchtwasser hat es ja nicht geatmet.

Nachteile einer Wassergeburt

  • Leider ist die Wassergeburt auch mit Nachteilen verbunden. So kann bei einem Notfall, der das Verlassen des Beckens erforderlich macht, nicht so schnell eingegriffen werden wie bei einer Kreißsaalgeburt.
  • Auch eine sogenannte Periduralanästhesie (PDA) ist nicht möglich.
  • Der Damm kann von den Gebärhelfern nicht im gleichen Maße geschützt werden wie bei einer Kreißsaalgeburt.
  • Außerdem kann bei einer Wassergeburt leider nicht das gleiche Maß an Hygiene umgesetzt werden, wie bei einer konventionellen Geburt. Das Infektionsrisiko für Mutter, Baby und Personal ist dadurch höher. Jedoch besteht bei entsprechenden Vorbereitungen kein Grund zur Sorge. Hebammen und Ärzte empfehlen in der Regel weitere Hygienmaßnahmen.
  • Entscheidet sich eine Gebärende im Verlauf der Geburt dafür, die Wanne zu verlassen, so kann dies gerade in den fortgeschrittenen Phasen der Geburt aufwendig und unangenehm für sie sein. Denn sie muss aus der Wanne steigen, sich abtrocknen und für den weiteren Geburtsverlauf eventuell in einen anderen Raum gebracht werden.

Voraussetzungen einer Wassergeburt Gab es während der Schwangerschaft Komplikationen, sollte das Kind nicht im Wasser zur Welt gebracht werden. Bei einer Wassergeburt sind schnelles Handeln und Eingreifen des Arztes und der Hebamme nicht so gut möglich. Bei Frühgeburten, Zwillingen oder Babys, die in Beckenendlage liegen, ist es deshalb eindeutig besser, nicht im Wasser zu gebären. Folgende Voraussetzungen sollten auf jeden Fall erfüllt sein:

  • Die 37. Schwangerschaftswoche muss bereits überschritten sein.
  • Das Baby muss "normal" liegen, darf also nicht in der Steißlage liegen.
  • Du darfst keine Mehrlinge erwarten.
  • Es kamen keine Infektionen in der Schwangerschaft vor und Du hast keine wesentlichen Vorerkrankungen.

Erfahre mehr über die Erfahrungen anderer Gebärender in unserem Geburtsbericht zu einer Wassergeburt. Mehr über Deine weiteren Optionen rund um die Geburt findest Du auch in unserem Spezial "Geburt".

Wenn Sie mehr zum Thema Wassergeburt erfahren möchte, können Sie gerne an die Autorin: Frau wenden.

Rufbereitschaftspauschale

Manche Krankenkassen bieten eine sogneannte Rufbereitspauschale an, bei der die Hebamme in den Schwangerschaftswochen jederzeit für Sie erreichbar sein könnte. Eine natürliche Geburt ist nunmal nicht planbar. Die ständige Erreichbarkeit lässt sich die Hebamme verständlicherweise vergüten. Sprechen Sie hierzu am besten mit Ihrer Krankenkasse und Ihrer Hebamme.