Hormontherapie

Hormone: Ja oder Nein?

Geschlechtshormone steuern nicht nur den Regelzyklus der Frau, sie sind auch an vielen anderen Vorgängen im Körper beteiligt. Die Beschwerden, die eine Frau in den Wechseljahren bekommen kann, sind sehr unterschiedlich in ihrer Ausprägung und ihrer Stärke. Nicht jede Frau benötigt aufgrund dieser Beschwerden Hormone. Bei starken Beschwerden ist die Hormontherapie aber das Mittel der ersten Wahl.
Dann ist die Hormontherapie eine Möglichkeit, die Beschwerden der Wechseljahre schnell und effektiv zu lindern. Die Hormontherapie bietet einen zusätzlichen Schutz vor schwerwiegenden Erkrankungen, z. B. vor Osteoporose. Der Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird kontrovers diskutiert. Der schützende Effekt der Östrogene auf die Blutgefäße  wird scheinbar nur dann wirksam, wenn die Therapie frühzeitig und bei gesunden Frauen eingesetzt wird. Kontroverse Diskussionen sind in der Wissenschaft üblich und sinnvoll. Es finden immer eine Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen und Studien statt, die oft gegenteilige Ergebnisse erzielen. Deshalb ist es wichtig, dass eine Hormontherapie immer von den individuellen Beschwerden ausgeht und nicht wahllos als vorbeugende Therapie eingesetzt wird.Für eine Hormontherapie gibt es grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten.
Die Auswahl an Tabletten, Pflastern, Sprays, Gels, Salben, Cremes und Spritzen ist groß. Darum kann die Hormontherapie auch ganz individuell auf die Bedürfnisse der Frau abgestimmt werden.  

Sequentielle Hormontherapie

Diese Form der Hormontherapie sorgt dafür, dass Sie wieder einen normalen Regelzyklus haben. Die Tabletten (es gibt auch Pflaster) enthalten Östrogen und Gestagen für die zweite Hälfte des Zyklus. Die Einnahme der Tabletten folgt folgendem Muster: Die ersten 10 Tage  enthalten die Tabletten Östrogen. In den folgenden 10 bis 12 Tagen sind Östrogen und Gestagen enthalten. Danach kann eine Östrogenpause von 6 Tagen angeschlossen werden. Es gibt aber auch Präparate, die in den folgenden 6 Tagen östrogenhaltige Tabletten enthalten. Das dient dazu, den Schutz der Östrogene in diesen 6 Tagen nicht abbrechen zu lassen und immer einen gleich bleibenden Östrogenblutspiegel zu erhalten. Für die sequentielle Hormontherapie gibt es verschiedene Präparate, die Hormone in unterschiedlichen Dosierungen enthalten. Sie folgen aber alle dem beschriebenen Muster. Meistens wird diese Form der Therapie von jüngeren Frauen gewählt, die Zyklusunregelmäßigkeiten und andere Beschwerden der Wechseljahre beseitigen, bzw. vermeiden wollen. Frauen, die schon längere Zeit keine Blutungen mehr gehabt haben - und das auch gerne weiterhin so wollen - sollten die kontinuierlich kombinierte Therapie wählen.    

Kontinuierlich kombinierte Therapie

Bei der kontinuierlich kombinierten Therapie wird jeden Tag die gleiche Menge Östrogen und Gestagen eingenommen. Das kann entweder über Tabletten oder mit Hilfe eines Pflasters geschehen. Durch die gleichen Mengen Östrogen und Gestagen jeden Tag bildet sich die Gebärmutterschleimhaut zurück. Allerdings kann es in den ersten Monaten, noch Blutungen geben. Die Gebärmutterschleimhaut verschwindet ja nicht von heute auf morgen. Danach aber treten  k e i n e  Blutungen mehr auf. Für die kontinuierlich kombinierte Therapie gibt es Präparate mit unterschiedlichen Dosierungen. Der Trend geht zu mikro Dosierungen, weil sich gezeigt hat, dass schon kleinste Mengen ausreichen. Diese Form der Therapie wird Frauen empfohlen, die schon ein Jahr keine Blutungen mehr hatten. 

Lokale Östrogentherapie

Beschwerden der Wechseljahre sind oft nur sehr leicht. Manch eine Frau bemerkt die Veränderungen gar nicht. Der sinkende Östrogenspiegel macht sich bei diesen Frauen oft erst Jahre nach der letzten Blutung bemerkbar. Dann ist oft ein brennendes und juckendes Gefühl in der Scheide ein Grund, zum Arzt zu gehen. Diese Beschwerden sind auf die trockenen Schleimhäute zurückzuführen, die eine typische Auswirkung des Östrogenmangels sind. Auch Scheidenentzündungen und Pilzinfektionen kommen häufig vor (kann auch Geschlechtsverkehr beeinträchtigen). Für diese betroffenen Frauen wird oft eine lokale Therapie empfohlen. Dafür stehen Scheidentabletten, Scheidenzäpfchen oder ein Vaginalring zur Verfügung. Die lokale Anwendung von Östrogenen behebt zwar die lokalen Beschwerden, sie hat aber nur eine sehr geringe Wirkung auf den Rest des Körpers.   

Hormontherapie nach Operationen

Operationen an den inneren weiblichen Geschlechtsorganen, z. B. die Entfernung der Eierstöcke oder Totaloperation, führen zu einem Östrogenmangel. Dieser Östrogenmangel betrifft alle Frauen nach der Operation. Die Betroffenen leiden dann an den Beschwerden der Wechseljahre, auch wenn sie noch nicht das entsprechende Alter erreicht haben. Man spricht in diesen Fällen oft von "künstlichen Wechseljahren". Deshalb wird in der Regel unmittelbar nach der Operation mit einer reinen Östrogentherapie begonnen. Die Gebärmutterschleimhaut kann sich nicht mehr aufbauen, sie ist nicht mehr da. Deshalb ist es nicht notwendig, mit Gestagenen eine Blutung herbeizuführen. Das ist der Grund für die ausschließliche Gabe von Östrogenen. Es hat sich aber in verschiedenen Untersuchungen gezeigt, dass auch Gestagene einen gewissen Schutz bieten, bzw. die Schutzwirkung von Östrogenen im Hinblick auf Osteoporose verstärken. Deshalb wird auch hier nicht selten ein Kombinationspräparat gewählt. 

Nebenwirkungen, Therapiedauer, Absetzen

Zu Beginn der Hormontherapie kann es zu Nebenwirkungen kommen. Diese sind aber in den meisten Fällen gering und nur von kurzer Dauer. Es kann zu einer vermehrten Wassereinlagerung und zu einer verstärkten Durchblutung kommen. Das führt dann zu einer schmerzhaften Vergrößerung der Brust. In seltenen Fällen kann es zu einem Anstieg des Blutdrucks kommen.
Oft hängen die Nebenwirkungen mit der Dosierung zusammen. Die individuell richtige Einstellung muss erst gefunden werden. Bei einer einschleichenden Dosierung treten Nebenwirkungen selten auf.
Brechen Sie die Therapie nicht selbständig ab. Verändern sie auch nicht die Dosis oder den Einnahmerhythmus. Das bringt nur alles durcheinander. Besprechen Sie sich mit Ihrem Arzt oder Apotheker und schildern Sie ausführlich, welche Probleme auftreten. Meistens verschwinden die Nebenwirkungen nach einer gewissen Zeit.

Therapiedauer

Auch diese Frage wird kontrovers diskutiert. Meinung 1: Wenn aus medizinischer Sicht nichts dagegen spricht, sollten eine möglichst lange Anwendungsdauer anstrebt werden. Nur so können Sie einen wirksamen Schutz gegen Osteoporose dauerhaft erhalten. Meinung 2: Eine Therapie sollte beendet werden, wenn dafür kein direkter Grund (Wechseljahresbeschwerden) mehr vorhanden ist, da präventive Maßnahmen gegen Osteoporose oder andere Erkrankungen mit anderen Mitteln ebenfalls erreicht werden können. In der Regel wird nach etwa 3 bis 5 Jahre geprüft, ob noch eine Therapienotwendigkeit besteht. Ab dieser Zeit steigen auch potentielle Risiken, wie etwa das Brustkrebsrisiko an. Außerdem hängt die Therapiedauer sicher auch davon ab, welche Form der Hormontherapie gewählt wurde. Wichtig ist die regelmäßige Kontrolle durch den Frauenarzt. Gehen Sie mindestens 2 bis 4 mal jährlich zum Arzt und lassen Sie sich gründlich untersuchen. Dazu gehört sowohl eine Brustuntersuchung, als auch eine Vaginal-Untersuchung. Unter Hormontherapie sollte außerdem jährlich eine Mammografie durchgeführt werden. Die Selbstuntersuchung der Brust gehört zum monatlichen Ritual

Hormontherapie sollte nie abrupt beendet werden

Setzt man jahrelang eingenommene Hormonpräparate plötzlich ab, so kommt es fast immer zu Entzugserscheinungen in Form von Wechseljahresbeschwerden. Diese Beschwerden lassen sich weitgehend vermeiden indem man das Hormonpräparat langsam "ausschleicht". Erreichbar ist das, indem Sie, für die Dauer von etwa. 3 Monaten entweder die Tablette halbieren oder nur noch jeden zweiten Tag eine nehmen. Nach weiteren 3 Monaten geling es dann zumeist die Therapie zu beenden. Handeln Sie aber nicht eigenmächtig, sondern besprechen Sie dieses Vorgehen vorher mit Ihrem Arzt.  

Auswirkungen der Hormontherapie

Vielfach empfinden Frauen die Wirkungen der Hormontherapie als plötzlichen Segen. Die Wechseljahresbeschwerden lassen in der Regel stark nach. Die Zyklusunregelmäßigkeiten verschwinden durch die hormonelle Regulation. Hitzewallungen gibt es kaum noch und wenn, dann meistens in sehr leichter Form. Die Konzentrationsfähigkeit verbessert sich stark. Die Nervosität nimmt ab, psychische Verstimmungen gehen zurück. Die Haut ist glatter. Sexuelle Bedürfnisse erwachen wieder, weil die Scheide nicht mehr so trocken ist.