Pflanzen gegen Erkältung

Umckaloabo gegen Atemwegsinfekte

Der Extrakt der Umckaloabo-Wurzel (Pelargonium reniforme) wird in Südafrika seit Jahrhunderten traditionell bei Atemwegserkrankungen ver­wendet. In der Praxis hat er sich bei Ärzten und Patienten als Mittel der Wahl etabliert, die Studienlage ist jedoch umstritten. Der Name »Umckaloabo« stammt aus der Zulu-Sprache und be­schreibt die Beschwerden einer Atemwegserkrankung. Er setzt sich zusammen aus »umKhulane« (schwerer Husten) und »uHlabo« (schneidender Schmerz in der Brust).  

Entdeckungsgeschichte

Die Entdeckungsgeschichte von Um­ckaloabo geht in das 19. Jahrhundert zu­rück. Vor rund 100 Jahren (1897) reiste der an Tuberkulose erkrankte englische Major Charles Henry Stevens auf Anraten seines Arztes in das klimatisch günstige Südafri­ka. Während seines Aufenthaltes in Leso­tho erhielt er täglich von einem Medizin­mann des dortigen Zulu-Stammes einen Sud aus der gekochten Rinde der Kapland-Pelargonie. Nach vier Monaten kehrte Ste­vens scheinbar geheilt nach England zu­rück und vertrieb seine mitgebrachte Geheimrezeptur als Mittel gegen Tuberkulose. Die von den Zulus traditionell bei Hus­ten, Durchfall und Leberschäden angewen­dete Pflanze stammt aus der Familie der Geraniaceae. Inzwischen werden die 50 cm hohen Kleinsträucher mit ihren ausge­prägten Rhizomen auf kontrollierten Plantagen in Südafrika kultiviert. Die ein­fach wechselständigen Blätter sind dicht mit Drüsenhaaren besetzt und erschei­nen dadurch silbrig glänzend (siehe Bild).
Die herzför­migen Blattränder sind gezähnt bis ge­sägt. Die zwittrigen Blüten sind purpurrot und stehen in mehrfach scheindoldigen Blütenständen zusammen. Im dritten Jahr weisen die Wurzeln den höchsten Wirkstoffgehalt auf.   

Wirkung beruht auf Gesamtextrakt

In Deutschland ist zurzeit lediglich ein Arzneimittel mit Umckaloabo auf dem Markt. Es enthält einen ethanolischen Auszug aus den Wurzeln von Pelargonium reniforme/sidoides (1 : 10) als Lösung zum Einnehmen. Bis vor wenigen Jahren war das Präparat relativ unbedeutend. Inzwi­schen hat es sich bei vielen Ärzten und Pa­tienten als Mittel der ersten Wahl in der Therapie akuter und chronischer Infekte des   Respirationstraktes   und   des   HNO-Bereichs    etabliert.    Einer    der    Gründe hierfür    liegt    in    dem Bemühen der Ärzte, von der teilweise unsinnigen und unkontrollierten Gabe von Antibiotika bei Atem­wegserkrankun­gen wegzukom­men. Als charakteristi­sche   und therapeu­tisch wirksame In­haltsstoffe gelten bislang Cumarine, Gerbstoffe vom Typ der Proanthocyanidine, Flavonoide, Polysterole und ätherisches Öl. Der Extrakt soll eine antibakterielle, immunstimulierende und schleimlösen­de Wirkung entfalten. Die antibakterielle Aktivität wurde auf drei relevante gram­positive (Staphylococcus aureus, Streptococcus pneumoniae und beta-hämolysierende Streptokokken) und die gramnega­tiven Bakterienstämme Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae, Proteus mirabilis und Hämophilus influenzae getestet. Die immunstimulierenden Eigenschaften beruhen offenbar auf einer NO-Induktion. Dabei ist die Wirkung des Ge­samtextraktes der der Einzelsubstanzen deutlich überlegen. 

Vergleichsstudien

Zufällig kontrollierte Ver­gleichsstudien mit Standardantibiotika existieren derzeit nicht. In vier kontrollierten, klinischen Studi­en mit insgesamt 800 Patien­ten mit akuter Bronchitis (467 Erwachsene 18 bis 20 Jahre, 124 Erwachsene im Durchschnitt 36 Jahre, 60 Kinder 6 bis 12 Jahre) beziehungsweise akuter Mandelentzündung (143 Kinder 6 bis 10 Jahre) sowie in drei nicht kontrollierten Studien mit über 1500 Patienten (teilweise auch Kleinkinder) bewies der Extrakt seine Überle­genheit gegenüber Placebo. Hinsichtlich Schluckbeschwerden, Halsschmerz, Fie­ber sowie Rötung in Mund und Rachen zeigten sich jeweils deutliche Besserun­gen. Im direkten Vergleich mit Acetylcystein erwies sich Umckaloabo zwar als gleichwertig, aber Acetylcystein selbst gilt bei  Kindern  als umstrittenes The­rapieprinzip ohne nachgewiesenen Nut­zen.